Zur Entscheidung im Parteiausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin erklärten am 22. April 2011 der Juso-Bundesvorsitzende Sascha Vogt und der Berliner Juso-Landesvorsitzende Christian Berg:
Die Entscheidung, den Antrag auf Parteiausschluss zurückzunehmen, ist nicht nachvollziehbar. Thilo Sarrazins Thesen sind sozialdarwinistisch, rassistisch und menschenverachtend. Seine Erklärung ist ein schlechter Witz. In ihr werden die bereits getroffenen Aussagen relativiert, doch letztlich rückt Sarrazin keinen Millimeter von seiner Position aus dem Buch ab.
Sarrazin hat sich gegen die Grundwerte der SPD gestellt. Sinn des Antrags auf Parteiausschluss war es, diese Grundwerte zu verteidigen und aufzuzeigen, dass ein Rechtspopulist wie Sarrazin nichts in der SPD verloren hat. Für uns ist nicht hinnehmbar, dass trotz einhelliger Beschlüsse auf Landes- und Bundesebene diese Linie verlassen wurde. Statt eines vernünftigen Verfahrens haben sich die Verhandlungsführer auf einen Kuhhandel eingelassen. Das werden wir nicht akzeptieren! Die SPD muss deutlich zeigen, dass Rassismus und Intoleranz keinen Platz in der Partei haben.
Christian Berg, Landesvorsitzender der Jusos Berlin erklärte am 21. April 2011:
Diese Entscheidung der Antragsteller ist nicht nachvollziehbar. Mit der Entscheidung, die Anträge auf Parteiausschluss zurückzuziehen, werden sozialdemokratische Grundwerte ausverkauft.
Das Verfahren hat die Möglichkeit eröffnet, deutlich zu machen, wofür Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten stehen: Für solidarisches Miteinander, für eine tolerante, bunte und demokratische Gesellschaft, in der für Volksverhetzer kein Platz ist. Stattdessen lautet das Signal jetzt: Die SPD akzeptiert einen Rechtspopulisten und Hetzer in ihren Reihen. Damit verspielt sie ihre Glaubwürdigkeit bei den vielen Menschen, die für ihre Werte und Grundsätze streiten.
Thilo Sarrazin hat sich mit seinen rassistischen und sozialdarwinistischen Thesen über die Grundwerte der SPD hinweg gesetzt. Er vertritt ein Menschenbild, das mit Solidarität und der Gleichheit aller Menschen nichts zu tun hat. Deshalb hat er in der SPD nichts verloren. Die simple Erklärung Thilo Sarrazins, sich künftig zu sozialdemokratischen Grundwerten bekennen zu wollen, ist reine Makulatur und eine Verhöhnung aller Menschen, gegen die er gehetzt hat und weiter hetzen wird.
