Die Jusos diskutierten am 12. April 2011 über Herausforderung für die Bezirke im Kinder- und Jugendschutz in Berlin. Auf dem Podium im Jugendclub Schloss 19 saßen Reinhard Naumann (Jugendbezirksstadtrat / SPD), Harald Bohn (Jugendclubring Berlin), Hartmut Niemann (Regionalleiter des Sozialpädagogischen Dienstes Charlottenburg-Nord), Gabriel Dube und Gudrun Schander (straks – Aufsuchende Sozialarbeit in Charlottenburg Nord) und Jochen Braasch (Medienkonpetenzzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf).
Harald Bohn vom Jugendclub Berlin leitete die Diskussion ein. Er betonte, dass die Bezirke zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten hätten. Gudrun Schander und Gabriel Dube von straks berichteten zunächst von ihrer Arbeit. Straks ist zwischen dem Mierendorffplatz und dem Volkspark Jungfernheide aktiv. Zurzeit beschäftigen sie sich u.a. mit Glücksspielsucht und Drogenkonsum unter Jugendlichen. Hierzu suchen sie Kontakt zu Jugendlichen, halten aber auch Kontakt zur Polizei, zum Grünflächenamt aber auch zu FixerInnenpunkten. Sie haben in CHarlottenburg-Wilmersdorf eine Bolzplatz-Liga und ein Mitternachts-Fußballtournier eingeführt. Mit den Fußballtournieren versuchen sie Jugendliche selbst zu organisieren. So werden das Gruppengefühl gefördert, aber die Kinder auch von der Straße geholt. Straks haben drei 30-Wochenstunden-Stellen zur Verfügung. Hartmut Niemann vom Medienkompetenzzentrum beschrieb, wie sie Kinder und Jugendliche durch Medienkompetenz unterstützen wollen. So bilden sie junge Menschen in der Internetnutzung aus. Mit dem dabei erwerbbaren “compass” können Rechner in Jugendfreizeiteinrichtungen genutzt werden. So werden jungen Menschen ein Internetzugang ermöglicht. Dieser fehlt ihnen teils.
Erziehung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Reinhard Naumann, Bezirksstadtrat, benannte Kinder- und Jugendschutz sowie Kinder- und Jugendarbeit als Beziksaufgabe. Er berichtete, dass ein Großteil der Ausgaben in Hilfen zur ErziehungSchloss 19 an freie Träger abgegeben. Doch auch SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen würden benötigt. Er forderte einen “Einstellungskorridor” und “mehr Lobby für Jugendschutz”. Naumann sagte, “wir brauchen ein gleiches Bewusstsein für Jugendschutz wie für fehlende Lehrerstellen”. Hartmut Niemann sagte, SozialpädagogInnen hätten “früher ein besseres Standing” gehabt. Eine verbreitete Forderung sei, bei SozialarbeiterInnen zu kürzen angesichts der Finanzsituation in Berlin. Eine weitere Forderung sei, dass das Jugendamt als eine Art “Familienpolizei” auftreten solle. Gudrun Schander forderte stattdessen, dass es an jeder Schule vier SozialarbeiterInnen geben solle. Die Jusos forderten, dass ein gesellschaftlicher Diskurs darüber stattfinden müsse, wie Jugendhilfe ausgestaltet werde. Niemann bestätigte: “Erziehung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.” Reinhard Naumann schlug vor, dass Quartiersmanagement auch nach Charlottenburg ausgeweitet werde. Daniel Wucherpfennig von der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg und vom Schloss 19 forderte eine Perspektive für SozialarbeiterInnen in Ausbildung.
